Freisteh-Apps
Blogbeitrag

Freisteh-Apps: Heiliger Gral oder Problembereiter für die Camperszene.

Voraussichtliche Lesedauer: 10 Minuten

Wie viele von euch bereits wissen, stehen auch wir häufiger frei. Wir lieben es einfach, ganz allein an einem einsamen Ort zu sein. Umgeben von einzigartiger Natur und dem Leuchten der Sterne am Nachthimmel. Liebend gern sind wir dabei in den Bergen und bestaunen dort die atemberaubenden Sonnenauf- und untergänge, die uns dort von der Natur geboten werden. Aber auch an der Küste, mit Blick auf das Meer und dem Rauschen der Brandung als Einschlafmelodie stehen wir gern. Doch so einfach, wie es einmal war, so einen idyllischen Platz zu finden, ist es schon lange nicht mehr. Das liegt zum einen daran, dass die Camper-Community in den letzten Jahren ein sprunghaftes Wachstum erfahren hat. Zum anderen, dass außerdem die Menge der Apps zugenommen hat, die einem die Suche nach genau diesen Traumschlafplätzen erleichtern. Doch genau da springt der Frosch auch ins Wasser, wie wir finden. Klar, es ist einfach damit einen Stellplatz zu finden, doch häufig wird dieser danach gewissermaßen überrannt. Das wiederum verärgert Wildhüter und Anwohner gleichermaßen, da diese natürlich auch die Zunahme der Übernachtungen und Müll bemerken.
Wir haben uns deshalb gefragt, was andere Camper darüber denken und ihnen die Frage gestellt: „Freisteh-Apps – Heiliger Gral oder Problembereiter.“

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yellowthemonster

Wir sehen diese Apps eher als Problembereiter, vor allem in Mitteleuropa ist das Freistehende fast nirgendwo mehr erlaubt. Und diese Apps mit ihrem rasanten Anstieg der Nutzer führen zusätzlich zu immer mehr strengen Regeln und Verboten für Camper. Vor allem in hoch frequentierten Regionen wie zum Beispiel Städte, Küstenregionen und Socialmedia-Hotspots wird das Freistehen immer schwieriger und mehr zu einem Versteckspiel als zu einem entspannten Naturerlebnis. Die markierten Plätze in diesen Apps sind meistens sehr leicht zu erreichen und auch bei den örtlichen Behörden bereits bekannt, was in Kroatien zum Beispiel zu immer mehr Strafen führt. Leider sind viele Camper, die das Freiheitsgefühl mit Freistehen verbinden, faul und überlassen lieber ändern die Suche nach tollen Plätzen, die diese dann online stellen.
Keine Frage, Freistehen ist ein absolutes Freiheitsgefühl und eine Erfahrung, die man selber erleben muss. Man sollte sich aber nicht nur auf Apps verlassen, sondern sich selbst etwas Mühe geben und evtl. seinen perfekten Platz finden, den man dann ganz legal und für sich allein hat. In Europa wird sich die Situation in den nächsten Jahren drastisch ändern und vielleicht schafft das Projekt Park’n’Sleep hier eine saubere und legale Alternative für Menschen, die nicht drei Wochen auf dem gleichen Campingplatz stehen wollen.
campingponny

Moin, bis jetzt hatte ich mit park4night immer gute Erfahrungen. Am Bodensee, wo wir jetzt hinfahren, sieht es dünn aus, aber wir lassen uns gerne überraschen. Bis jetzt sind wir mit dieser Art von App immer zufrieden gewesen.

Denn am Ende wollen wir doch alle das gleiche, die Schönheit und Unversehrtheit der Natur genießen.

yellothemonster

vildmarks.clan

Für uns gibt’s zwei Grundsätze beim Freistehen: Dankbarkeit und Achtsamkeit.
Das bedeutet, wir zeigen uns dankbar für solch wundervolle Plätze, die uns die Natur bietet, indem wir sie schützen und auf sie achten. Stören wir sie (Schutzgebiete, Verbotsschilder) oder Anwohner, dann bleiben wir dort nicht. Wir hinterlassen dort keinen Müll, Grauwasser, Seife in Gewässern oder andere menschliche Hinterlassenschaften! Leider erleben wir so etwas immer häufiger bzw. werden schöne Plätze in der Natur oft einfach auch überlaufen und daher ist es nicht verwunderlich, wenn es immer häufiger zu Verboten dort kommt.
Wir stehen gerne frei, aber aus Rücksicht nehmen wir auch gerne Alternativen wie Stellplätze, Privatgrundstücke, Bauernhöfe oder Ähnliche, um entspannte Nächte zu verbringen. Denn auch die können in idyllischer Natur gelegen sein.

fraunicoletamachtfotos

Hecktüren auf das ruhige Meer vor der Nase, natürlich keine Mücken, ein mit kleinen Schäfchenwolken gespicktes, pastellenes Farbspektakel am Abendhimmel. Die Vorhänge wehen sachte im Wind, kein anderer Mensch weit und breit. Dieses instaeske Vanlife-Ideal klingt verlockend und paradiesisch und es ist sicherlich möglich. Für uns ist es ein Genuss, den wir gerne annehmen, aber nicht auf Krampf heraufbeschwören. Wir essen schließlich auch nicht jeden Tag Sahnetorte. Das Vanlife ist sowieso schon ein riesiges Privileg. Weder die Natur noch die ortsansässigen Menschen sollten dadurch Schaden nehmen. Wir wünschen uns, dass Länder Camper*Innen weiterhin gerne empfangen, weil sie auch mal Campingplätze und Pensionen unterstützen, Ortstaxe bezahlen und die Natur nicht sinnlos belasten. Fazit: freistehen – klar gerne, aber in Maßen und nur, wenn es wirklich erlaubt ist.

Christian_Fiedler_Wildlife

Ich sehe es mit dem „Freistehen vs Campingplatz“ nicht so eng. Bei uns kommt es ganz klar auf die Situation an. Was wir vorhaben, ob ich allein oder mit Familie unterwegs bin und ob es das Umfeld in der Natur zulässt. Auf Biegen und brechen muss ich nicht immer „Freihstehen“ Wenn ich zum Beispiel allein unterwegs bin und nur mal einen Tag etwas Biken gehe, stehe ich meist frei, wenn es die Umgebung zulässt. Als Familie sind wir wegen der Kinderhygiene und wegen des Spielplatzangebotes regelmäßig auch auf Campingplätzen. So können die Kinder mit anderen Kindern in Kontakt kommen und wir können unsere ganzen Freizeitsachen wie Bikes, Kajak usw. auch mal draußen vor dem Camper stehen lassen ohne Angst haben zu müssen, mit leichterem Gepäck weiterreisen zu müssen. Zudem gibt es viele tolle Naturcampingplätze im In- und Ausland, wo man auch beides hat und das Gefühl „Freizustehen“ mit Socialising und Hygiene und verbinden kann.

Harz Vans

Meiner Meinung nach ein völlig überbewerteter hype…
Wir persönlich lieben kleine aber feine Stellplätze mit etwas Infrastruktur…. Strom, Wasser, v/e… Campingplätze versuchen wir zu meiden, aber komplettes freistehen kommt für uns so nicht in Frage. Gerade im Ausland (wir sind sehr viel in Italien unterwegs) kann das auch gerne mal richtig teuer werden und hier gibt es so viele schöne kleine „agricamping“ oder „agriturismo“. Da kann man super stehen und unterstützt nebenbei noch einheimische Bauern, Winzer oder was auch immer.

Camper Isle

Natürlich finden wir frei in der Natur, stehen schön, glauben aber auch, dass man sich dieses Privileg jedes Mal aufs Neue wieder verdienen muss. Leider können sich zu viele Camping-Begeisterte nicht vernünftig benehmen und verbauen so Gleichgesinnten die Chance. Rücksichtsloses Verhalten führt zu immer mehr Verboten. Man sollte den Ort und seine Bewohner mit Respekt behandeln, nur dann kann Freistehen funktionieren. Camping wird immer beliebter und damit steigt auch die Zahl der Camper, was Freistehen grundsätzlich schwieriger macht. Wir wollen daher auch vermehrt private Stellplätze über Apps nutzen, die immer mehr Angebote haben. Zum einen kann man so an idyllischen und ruhigen Orten campen, zum anderen unterstützt man so die Region und lernt dabei auch noch interessante Menschen kennen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir das Freistehen lieben, aber wenn es eben mal nicht geht, muss man halt auf Alternativen zurückgreifen. Nur so stellen wir sicher, dass man uns als Camper auch weiterhin gern willkommen heißt.

aeddis_traveldiary

Freisteh – Apps. Sind sie Fluch oder Segen? Diese Frage stellen wir uns sehr oft. Wir alle lieben wohl die Vorstellung, irgendwo frei zu stehen, um den Ausblick auf das Meer oder auf das Bergpanorama zu genießen.
Oft, so unsere Erfahrung, konnte man an den Plätzen doch nicht wirklich gut stehen oder sie waren total überlaufen. Kleine Plätze wurden schnell zum Hotspot. Auf der anderen Seite waren wir schon oft froh, wenn wir spontan einen Platz zum Schlafen brauchten, oder kurz die Erfahrungen anderer checkten.
Wie ihr seht, wir können nicht wirklich sagen, ob sie Fluch oder Segen sind. Fluch, denn viele Orte werden überrannt, Segen, wenn du schnell mal was zum Schlafen brauchst.

Freistehen
Dank vieler Apps wird das Freistehen zum Kinderspiel und so sind die einsamen Küstenmomente in Zukunft wohl eher die Seltenheit.

travelwithgisela

Ich nutze Park4Night regelmäßig und habe dort auch schon selbst Plätze gepostet. Allerdings nur Orte, wo ich mir absolut sicher bin, dass man dort auch legal stehen darf. Bei anderen Plätzen kommentiere ich gelegentlich, wenn wichtige Infos fehlen oder der Platz lieber wegen Übermüllung gelöscht werden sollte. Denn das ist leider die Kehrseite dieser Apps. Ansonsten reicht mir auch manchmal ein Blick auf ein Satellitenbild via Google, um tolle Spots zu finden. Und noch ein Tipp: Tinder! Eigentlich eine Dating-App, aber im Vergleich zu Deutschland sind die Leute in anderen Ländern, vor allem Skandinavien, viel offener und verraten hier und dort auch mal tolle Stellplätze oder geben Stadtführungen. Da geht’s beiderseitig auch überhaupt nicht um das Daten, sondern tatsächlich um Insider-Tipps. Im Tinder-Profil schreib ich das auch ganz offen so rein und habe bisher nur durchweg positives Feedback von Locals erhalten. Ausprobieren!

Ausgescheckt.blog

Wir sind überzeugt, die Menge macht das Gift. Immer wieder erleben wir, dass Gruppenkuscheln und das in die Büsche gehen trotz Toilette im Camper. Ein WC ist dazu da, um es zu benutzen. Egal, ob man nur kurz steht oder für länger. Der unwissende Beobachter dieser Situation kann es nicht unterscheiden, ob Camper oder Kurzparker und bekommt sofort ein negatives Bild präsentiert, das schwer zu revidieren ist. Gern werden noch Stühle und Tisch herausgestellt, als wäre man auf dem CP. So geht das schnell schief und die Plätze werden für Camper zu Recht gesperrt. Ein weiterer Nachteil der Apps. Sie machen es Langfingern und Ordnungshütern unheimlich einfach, unsere Fahrzeuge zu finden ;-).

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Wir finden, in den Antworten aller Teilnehmer steckt viel Gewicht, Erfahrung und Sachverstand. Ob Luxuswohnmobil oder Diy Camper. Es ist ein Problem, das jeden einzelnen von uns beschäftigen sollte, egal ob alter Hase oder junger Camperdachs den sonst wird es auf kurz oder lang immer mehr Verbote geben und das möchte doch schließlich niemand von uns.

Da es sich um eine Angelegenheit handelt, die auf kurz oder lang jeden von uns beschäftigen wird oder bereits hat, dachten wir, es wäre eine gute Idee, Tacheles zu reden. Nun freuen wir uns über einen regen Austausch mit euch zu diesem Thema.

Hey, hey schön, dass du bei uns auf der Seite gelandet bist. Wir schreiben hier mit sehr viel Herzblut und Engagement von unseren Abenteuern. Hier hast du die Gelegenheit, eine Frage zu stellen, etwas hinzuzufügen oder Kritik & Lob aussprechen.

Freisteh-Apps: Heiliger Gral oder Problembereiter für die Camperszene.

Freisteh-Apps machen es einfach, die schönsten Plätze zu finden, doch zunehmend bereiten diese auch Probleme, die es vorher so nicht gab.